Fort Leaton State Historic Site  

Fort Leaton
Fort Leaton war ein privater Wohnsitz und Trading Post am Chihuahua Trail

Kurzinfo Fort Leaton

Bundesstaat: Texas
Höhe: 782 Meter ü.M.
Lage: östlich von Presidio in der Nähe der mexikanischen Grenze

Im Gegensatz zu den meisten anderen Forts des amerikanischen Südwestens handelt es sich bei Fort Leaton nicht um einen ehemaligen Militärstützpunkt, sondern um eine private, aus 40 Räumen bestehende Wohn- und Befestigungsanlage oberhalb des Rio Grande Tals, die von 1848 bis zum Bau der Eisenbahnlinie 1884 als Wohnsitz, Übernachtungsort und Trading Post entlang dem Chihuahua Trail genutzt wurde. Da Fort Leaton jedoch die einzige befestigte Anlage entlang eines 720 Kilometer langen Grenzabschnitts war, dienten seine Räume bis zum Bau von Fort Davis 1854 auch als inoffizielles Hauptquartier der US Armee. Seit 1978 ist das renovierte Fort als State Historic Site für Besucher zugänglich. Sehenswert sind neben dem großen Innenhof und den mächtigen Adobemauern vor allem die zahlreichen hervorragend restaurierten Innenräume mit Originalmobiliar aus dem 19. Jahrhundert.

Die Geschichte von Fort Leaton

Erster Besitzer des Grundstücks war der mexikanische Lieutenant Ronquillo, der das 6.000 Quadratkilometer große Landstück 1832 vom Staat Mexiko als Schenkung erhielt. 1833 wurde es von Juana Pedrasa aufgekauft, einer Mexikanerin, die einige Jahre später in Chihuahua den Amerikaner Benjamin Leaton kennenlernte. Gemeinsam kauften sie 1848 ein angrenzendes Grundstück dazu und erweiterten das dort bereits vorhandene Adobegebäude zu einer befestigten Fortanlage, die ihren Bewohnern Schutz vor marodierenden Ganoven und Outlaws, aber auch vor Überfällen feindlicher Apachen und Comanchen bot.

Bereits kurze Zeit später wurde Ben Leaton von der mexikanischen Regierung angeklagt, die Indianer zu Raubzügen auf mexikanische Siedler anzustacheln, damit diese dann das erbeutete Vieh bei ihm gegen Waffen und Munition eintauschen konnten. Leaton konterte dies mit dem Vorwurf, die mexikanische Regierung habe das Leben aller Siedler entlang der Grenze gefährdet, indem sie einen Preis von 250.- Dollar für jeden Apachenskalp ausgesetzt und dafür professionelle Killer angeheuert habe. Als Folge davon hätten sich einst friedliche Indianerstämme zu Feinden entwickelt. Daraufhin wurde eine Untersuchung durch die US Armee eingeleitet, die allerdings zu keinem konkreten Ergebnis kam. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt.

Der große Innenhof von Fort Leaton

Als Ben Leaton 1851 starb, heiratete Juana Pedrasa Edward Hall, mit dessen Familie sie Fort Leaton bis zum Jahr 1860 weiter bewohnte und als Trading Post unterhielt. Als Edward Hall gegenüber Leaton's ehemaligem Partner John Burgess in Schulden geriet, diese nicht zahlte und sich dann auch noch weigerte, das Grundstück zu verlassen, wurde er von Burgess ermordet. Burgess übernahm das Fort und wurde daraufhin als Rache von Edward Hall's Sohn ermordet. Fort Leaton blieb allerdings im Besitz der Familie Burgess, die den Trading Post noch bis zum Jahr 1884 weiterführte. Grund für die endgültige Schließung war der Bau einer Eisenbahnlinie, die San Antonio mit der Golfküste, El Paso und Mexico City verband, wodurch sämtliche Orte entlang dem einstigen Handelsweg des Chihuahua Trail ihre Bedeutung verloren.

1967 kam Fort Leaton als Schenkung in den Besitz des Texas Parks and Wildlife Department (TPWD). 1973 wurde es in das National Register of Historic Places aufgenommen, aufwändig restauriert und 1978 schließlich als State Historic Site für Besucher geöffnet.

Besichtigung Fort Leaton

Vom Parkplatz gelangt man über einen breiten, geteerten Fußweg ins Innere der mächtigen Anlage, wo man zunächst im kleinen Visitor Center den Eintritt bezahlt. Auf Wunsch erhält man hier auch eine Broschüre zur Geschichte von Fort Leaton und ein Faltblatt für eine Self-Guiding Tour mit Erläuterungen zu den einzelnen Räumen. Vom Innenhof, dem sogenannten Patio, gelangt man über einen Durchgang hinaus auf das Außengelände, wo die strohgedeckten Unterstände für die Pferde und ein alter Ochsenkarren zu sehen sind. Diese ursprünglich von den Mexikanern eingeführten Ochsenkarren (carretas) konnten enorme Lasten transportieren, wobei ein einzelner Wagen von 10 bis 12 Ochsen gezogen wurde.

In den Außengebäude und Ställen waren Ochsen und Pferde untergebracht
Zum Lastentransport verwendeter Ochsenkarren (carreta)

Danach sollte man sich genug Zeit nehmen, um nacheinander die einzelnen Innenräume von Fort Leaton anzusehen. Sehenswert sind dabei vor allem der große Dining Room mit langem Esstisch und offener Feuerstelle, der Formal Parlor, eine große Empfangshalle, in der auch größere Festlichkeiten stattfanden, das ursprüngliche Trading Office, die Küche und das Familienzimmer. Die Funktion der einzelnen Räume wird dabei sehr schön anhand von Schautafeln erläutert.

Fort Leaton Dining Room
Der Dining Room, in dem Edward Hall während des Essens ermordet wurde
Im Formal Parlor wurden Feste abgehalten

Einen völlig anderen Eindruck bieten dagegen die Räume der Dienstangestellten, die im Gegensatz zu den Familienräumen auch nicht verputzt sind. Dadurch kann man hier sehr schön die Konstruktionsweise und die ursprünglich verwendeten Baumaterialien dieses mächtigen Adobebauwerks erkennen. Zum Abschluss sollte man noch dem kleinen Museum einen Besuch abstatten, das der wechselvollen Geschichte dieser Region gewidmet ist.

Die einfachen Räume der Dienstangestellten

Information Fort Leaton

Fort Leaton State Historic Site
P.O. Box 2349
Presidio, TX 79845
Internet: https://tpwd.texas.gov/state-parks/fort-leaton

Fort Leaton ist täglich von 8-16.30 Uhr geöffnet. Zur Anlage gehört auch auch ein kleiner Geschenkeladen und ein hübscher Garten mit schattigen Picknickplätzen und Wasserspender. Wer den nahe gelegenen Big Bend Ranch State Park besuchen möchte, erhält im Visitor Center von Fort Leaton Camping und Backpacking Permits für diesen Park.

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Aktualisierte Ausgabe 2020