Schlangen im Südwesten der USA

Western Diamondback Rattlesnake (Crotalus atrox) in Drohhaltung

Taranteln, Schlangen und Skorpione

Auch wenn es bei Wanderungen im Südwesten nur selten zu wirklich gefährlichen Tierbegegnungen kommt, so sollte man dennoch das Wichtigste über diese Tiere wissen und vor allem, wie man sich im Fall einer Begegnung zu verhalten hat. Am häufigsten sind dabei Begegnungen mit Schlangen. Daneben gibt es noch verschiedene Skorpionarten, Taranteln und giftige Spinnen. Den besten Schutz vor diesen Tieren bieten hoch geschlossene, feste Wanderschuhe und lange Hosen. Zudem sollte man nie mit bloßer Hand in dichtes Gebüsch oder Felsspalten hinein langen.

Giftschlangen

Die im Südwesten der USA am häufigsten anzutreffenden Giftschlangen sind die in zahllosen Unterarten vertretenen Klapperschlangen, die Copperhead (Texas) sowie die auffallend schwarz-gelb-rot gestreifte Coral Snake (südl. Arizona und New Mexico). Die Coral Snake sieht ähnlich aus wie die ungiftige King Snake, unterscheidet sich von ihr jedoch durch die Anordnung der Farbbänder. Die Coral Snake hat rechts und links vom roten Band ein gelbes Band, die King Snake rechts und links vom roten Band ein schwarzes.

Zu den Klapperschlangen gehört auch die in den Wüstengebieten lebende Sidewinder. Ihren Namen verdankt sie ihrer ungewöhnlich seitwärts schlängelnden Fortbewegungsart, mit der sie blitzschnell über den heißen Sand gleitet.

Die harmlosen Gopher Snakes sehen den Klapperschlangen in Farbe und Zeichnung oft zum Verwechseln ähnlich. Zudem können Sie das Verhalten der Klapperschlangen imitieren. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal sind die Hornklappen am Schwanzende, die nur Klapperschlangen besitzen und mit denen sie bei Gefahr das charakteristische rasselnde Geräusch erzeugen. Dieses Rasseln ist typisch für Klapperschlangen und in diesem Video sehr schön zu sehen und zu hören. Wenn man es kennt, ist es leichter, der Gefahr rechtzeitig aus dem Weg gehen.

Die Gopher Sanke sieht Klapperschlangen ähnlich, ist aber harmlos

Wann sind Schlangen aktiv?

Normalerweise beenden Klapperschlangen ihre Winterruhe im März oder April, wenn die durchschnittlichen Tagestemperaturen konstant über 15 Grad Celsius liegen. Am aktivsten sind sie bei Außentemperaturen zwischen 25 und 30 Grad, also die meiste Zeit des Tages im Frühling und Herbst sowie am frühen Morgen und späten Abend, gelegentlich auch nachts in den Sommermonaten. Steigen die Temperaturen dagegen über 40 Grad Celsius, reichen ein paar Minuten in der prallen Sonne, um eine Klapperschlange zu töten. Daher sieht man sie tagsüber im Hochsommer so gut wie nie.

Vorsichtsmaßnahmen

Um ernsthafte Zwischenfälle mit Giftschlangen von vornherein zu vermeiden, sollte man stets bestimmte Sicherheitsregeln beachten. Da die meisten Schlangen dem Menschen bei Annäherung von selbst aus dem Weg gehen und sie diese Annäherung vor allem anhand der Bodenerschütterung registrieren, sollte man beim Gehen stets fest auftreten. Viele Schlangenbisse ereignen sich in der Dunkelheit oder in der Dämmerung, beispielsweise beim Sammeln von Feuerholz. Nehmen Sie in der Dunkelheit also stets eine Taschenlampe mit und leuchten Sie damit sorgfältig den Weg aus. Beim Zelten sollte man die Zeltöffnung nachts geschlossen halten (zumindest das Moskitonetz) und Schuhe nie vor, sondern in das Zelt stellen.

Bei einer unverhofften Begegnung mit einer Schlange ist es wichtig, stets respektvollen Abstand zu halten und stehen zu bleiben, so dass diese sich gefahrlos zurück ziehen kann. Auf keinen Fall darf man Giftschlangen zusätzlich ärgern oder reizen, denn sobald sie sich bedroht fühlen, greifen sie an und beißen zu. Junge Schlangen sind dabei gefährlicher als ausgewachsene Schlangen, da sie das Gift noch nicht so gut dosieren können wie erwachsene Schlangen, so dass die injizierte Giftmenge bei ihnen meist größer ist.

Hinweisschild im Oliver Lee State Park, New Mexico

Verhalten bei Schlangenbissen

Über Schlangenbisse und die richtige Behandlung solcher Bisswunden herrschen bei vielen Menschen immer noch falsche Vorstellungen. Völlig nutzlos, wenn nicht sogar gefährlich, ist das Aufschneiden, Aussaugen oder Abbinden der Wunde. Ebenfalls nutzlos sind die auch in den USA immer noch käuflichen Snake Kits. Das einzige wirksame Gegenmittel ist das entsprechende Antiserum (antivenom), das nur in Krankenhäusern vorrätig ist und auch nur von medizinischem Fachpersonal verabreicht werden darf, da die Behandlung ebenfalls nicht ganz ungefährlich ist und allergische Reaktionen auslösen kann. Dabei muss das Antiserum spätestens 4 Stunden nach dem Biss verabreicht werden.

Erste Anzeichen eines giftigen Schlangenbisses (nach ca. 30 Minuten) sind mäßige Schmerzen rund um die Bisswunde, zwei punktuelle Hautrötungen durch die beiden Fangzähne mit leichtem Anschwellen der Haut oder Blutergüsse, oft verbunden mit einem Anschwellen der Lymphknoten. Im weiteren Verlauf kommt es dann je nach Schlangenart zu erhöhtem Puls, Atemproblemen, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Lähmungen, Durst, Übelkeit, Erbrechen und Krämpfen bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Hier die Empfehlungen für das Verhalten nach einem Schlangenbiss

  • Ruhe bewahren, nicht bei allen Schlangenbissen wird tatsächlich Gift injiziert (Dry Bites)

  • Die Biss-Stelle vorsichtig reinigen, falls möglich mit Seife und Wasser oder mit einem Desinfektionstuch

  • Die zentrale Notrufnummer 911 wählen und Hilfe anfordern oder den Betroffenen möglichst schnell in eine Klinik bringen

  • Das betreffende Körperteil möglichst nicht bewegen und tiefer halten als das Herz

  • Für den Fall einer Schwellung alle einengenden Kleidungs- und Schmuckstücke rund um die Biss-Stelle entfernen

  • Falls möglich, die Biss-Stelle mit einem Stift umkreisen, Uhrzeit notieren

  • Aussehen und Größe der Schlange merken oder aus sicherer Entfernung ein Handy-Foto von ihr machen, da verschiedene Schlangenarten unterschiedliches Antiserum benötigen

  • Ist es notwendig, zu gehen, langsam aber stetig gehen und immer wieder kurze Pausen machen

Auch bei Schlangenbissen von nicht giftigen Schlangen sollte man zur richtigen Wundversorgung immer ein Krankenhaus aufsuchen, da es zu allergischen Reaktionen, Infektionen der Wunde oder sogar zu Gewebezersetzungen (Nekrose) kommen kann.

Übrigens verlaufen von den 7.000 bis 8.000 Schlangenbissen, die sich jährlich in den gesamten USA ereignen, nur etwa 5-7 tödlich, das sind nicht mehr als 0,1 Prozent. Mit etwas Achtsamkeit lassen sich gefährliche Begegnungen und Schlangenbisse jedoch durchaus vermeiden.